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Überlieferte und traditionelle Räuchermischungen

Historische Beispiele für Räuchermischungen gibt es zu Genüge. Die sogenannte Delphi-Räucherung, die angeblich im Orakel verwendet wurde, enthält Bilsenkrautsamen, Lorbeerblätter und Myrrhe oder Olibanum zu gleichen Teilen. Die geräucherte Mischung soll stark psychoaktiv und stimmungsaufhellend sein. Eine Räuchermischung, die Visionen hervorrufen soll, mischt man aus Sandelholz, Stechapfelsamen und Hanfblüten zu gleichen Teilen.

Eine Räucherung, um Geheimnisse zu schützen, wird zu gleichen Teilen aus Koriandersamen, Safran (Crocus sativus), Bilsenkraut, Selleriesamen und Opium gemischt. Das Rezept stammt aus der Spätantike, möglicherweise auch aus dem frühen Mittelalter. Ursprünglich sollte diese Räucherung davor schützen, daß vergrabene Schätze und andere Kostbarkeiten oder Geheimnisse von anderen gefunden und aufgedeckt werden.

Biblischer Weihrauch bestand ursprünglich aus Onycha, Stakte, Galbanum und Olibanum, heute wird er aus Weihrauch, Galbanum, Labdanum und Myrrhe hergestellt. Er wurde in der Bibel (Exodus 30,34) als heiliger Weihrauch des Alten Testaments genannt, aber die Herkunft der Zutaten ist ungewiß. Onycha wird meist als Balsam, Labdanum oder eine Art von Räucherklaue genannt. Stakte wird als Myrrhe gedeutet. Galbanum kann als das echte Galbanum angesehen werden.

Die vier biblischen Grundstoffe stehen für die Elemente Wasser, Erde, Luft und Feuer. In der christlichen Welt wurden sie anders gedeutet, nämlich als vier Gebetsformen (Bitte-Fürbitte-Lobpreisung-Danksagung) oder als geforderte Gemütshaltungen (Demut, Glaube, Liebe und Hoffnung). Kirchenweihrauch wurde ursprünglich aus 1 Teil Styrax, 4 Teilen Benzoe und 10 Teilen Olibanum gemischt, heute werden noch gelegentlich andere Harze oder ätherische Öle hinzugefügt. Das Rezept entstammt der Liturgie der römisch-katholischen Kirche.

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5.2. Zu den Tierkreiszeichen passende Räucherstoffe

Schon immer hat man versucht, bestimmten Anlässen oder Personen besondere Räucherungen zuzuweisen. Die im 20. Jahrhundert übliche Zuordnung von Tierkreiszeichen und ihrer Räucherstoffe ist im folgenden dargestellt:

Widder Widder: Myrrhe, Aloe, Basilikum, Zimt, Hanf, Mohn, Besenginster, Zypresse, Nieswurz, Pinie, Zeder, Koriander, Estragon, Kardamom, Chilipfeffer
Stier Stier: Salbei, weißes Sandelholz, Myrte, Rose, Nelke, Dill, Jasmin, Pfeffer, Safran, Bergamotteöl, Moschus, Geißblatt, Veilchen, Geranie, Patchouli, Vanille, Huflattich
Zwillinge Zwillinge: Mädesüß (Wiesenkönigin), Mastix, Zimt, Galbanum, Muskatblüte, Lorbeer, weißes Sandelholz, Eisenkraut, Anis, Jasmin, Fenchel, Sandelholz, Lavendel, Schafgarbe
Krebs Krebs: Ysop, Myrte, Styrax, Wermut, Aloe, Lorbeerblätter, Zimt, Pilze, Kampfer, Lavendel, Zeder, weißes Sandelholz, Mohn, Iris
Löwe Löwe: Olibanum, Mastix, Myrrhe, Wacholderbeeren, weißes Sandelholz, rotes Sandelholz, Minze, Nelke, Zimt, Augentrost, Kampfer, Cassia, Ambra, Anis, Kamille, Fenchel, Lavendel, Mohn
Jungfrau Jungfrau: Baldrian, weißes Sandelholz, Zimt, Pfeffer, Muskat, Lorbeerbeeren, Nelken, Benzoe Sumatra, Zitronenschale, Reseda
Waage Waage: Thymian, Galbanum, Safran, Mastix, Aloe, weißes Sandelholz, Jasmin, Melisse, Moschus, Rose, Veilchen, indisches Seidenholz, Lilie, Birkenharz, Zypresse, Minze, Zeder
Skorpion Skorpion: Wermut, Aloe, Kampfer, Rosmarin, Galangawurzel, Nelke, Ingwer, Pinie, Yucca, Zypresse, wilde Rose, Hornstrauch, Moschus, Galanga, Veilchen
Schütze Schütze: Ysop, Dill, Aloe, Muskatnuß, Myrrhe, Hauswurz, Nelken, Pinie, Zeder, Buche, Palmen
Steinbock Steinbock: Benzoe Sumatra, weißes Sandelholz, Olibanum, Lorbeer, Bilsenkraut, Mohn (Opium), Beinwell, Pfeffer, Veilchenwurzel, Vetiver, Zypresse, Schierling, Tollkirsche, Fichte, Pappel, Efeu, Kiefer
Wassermann Wassermann: Narde, Mastix, Alraune, Olibanum, Myrte, Rhododendron, Pfeffer, Pinie, Kresse, Eukalyptus, Bergamotte
Fische Fische: Styrax, Muskatnuß, Wermut, Patchouli, Zeder, Waldziest, Kampfer, Nelke, Veilchen, Anis, Pinie, Herbstzeitlose


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5.3. Räucherungen in der zeremoniellen Magie

Für Räucherungen in der zeremoniellen Magie werden eine ganze Reihe von Harzen und Pflanzenteilen verwendet, die nach bestimmten Rezepten zusammengestellt werden.

Für Meditation allgemein: 10 Teile Sandelholz, 10 T. Benzoe Siam, 10 T. Weihrauch
Anrufung von Feuerelementargeistern: 10 T. Galbanum, 10 T. Stramonium, 5 T. Aloeholz
Anrufung von Luftelementargeistern: 10 T. Sandelholz, 10 T. Blätter Belladonna (giftig!), 5 T. Blätter Euphorbia
Anrufung von Wasserelementargeistern: 10 T. Siam-Benzoe, 10 T. Blätter Verbena, 5 T. Myrrhe
Anrufung von Erdelementargeistern: 10 T. Styrax, 10 T. Blätter Bilsenkraut (giftig!), 5 T. Copal fein

Schon bei den Griechen und Römern wurde das als Weihrauch bekannte Harz zu Rauchopfern in ihren Tempeln verwendet. Die römische und griechische Kirche wenden ihn seit der Zeit Konstantins des Großen an. Ferner spielen Harze in der zeremoniellen Magie eine Rolle.

Der in der katholischen Kirche verwendete Weihrauch ist eine Mischung aus Weihrauch, Benzoegummi, Styrax, Salpeter, Zucker und Harz vom Croton eleuteria. Für die Zwecke der zeremoniellen Magie werden die Harze oft mit Pflanzenteilen gemischt, wobei jedoch meist wegen der großen Giftigkeit äußerste Vorsicht geboten ist.

Ein Räuchermittel für die sogenannte Große Operation besteht aus 10 Teilen Belladonna, 10 Teilen Bilsenkraut, 10 Teilen Stechapfel, 5 Teilen Weihrauch, 5 Teilen Galbanum, 1 Teil Asant. Die ersten drei Zutaten enthalten starke Alkaloide, also Vorsicht.

Mit Räucherungen sollten auch Dämonen (im antiken Sinne) beschworen werden können. Agrippa von Nettesheim schrieb hierzu: »Zum Zwecke des Weissagens pflegen daher Räucherungen zur Erregung der Phantasie angewandt zu werden, die, mit gewissen höheren Geistern übereinstimmend, uns zur Aufnahme der göttlichen Inspiration geschickt machen. (...) So sollen, wenn man aus Koriander und Eppich oder Bilsenkraut nebst Schierling einen Rauch macht, die Dämonen augenblicklich sich versammeln, weshalb diese Pflanzen Geisterkräuter genannt werden.«

Um Dämonen zu rufen, benötigt man nach okkultistischen Lehren aus dem 19. Jahrhundert eine Räucheröllampe. Man räuchert am besten in einem gesonderten Raum ohne Unterbrechung folgende Räuchermischung: 1 Teil Weihrauch, ½ Teil Styrax und ¼ Teil Aloeholz oder Zeder, Rosen und Zitronen. Alles wird sorgfältig vermischt und die Räuchermischung in einem besonderen Gefäß trocken aufbewahrt.

Von dem berühmten Magier Eliphas Lévi (08.03.1810 bis 31.05.1875) soll folgendes Rezept stammen: gleiche Teile Salz, Schwefel, Schellack, Kampfer und Lorbeerblätter gut im Mörser zerstoßen. Dieses Mittel habe ich wegen seiner giftigen Dämpfe nicht ausprobiert, aber nach dem kleinen Lehrbuch der weißen Magie (Seite 59, nach Dr. Herbert Fritsche, 14.06.1911 bis 20.06.1960) befreit es von spukhaften und depressiven Beängstigungen und kann auch nach lästigen Besuchen, die störende Schwingungen hinterließen, verwendet werden. Wegen der Zutaten Schwefel und Schellack ist jedoch Vorsicht geboten, sowohl was das Einatmen als auch das Verbrennen in geschlossenen Räumen betrifft.


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5.4. Die Planetenzuordnungen der Harze

Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim (1486 bis 1535) hat ein voluminöses Werk verfaßt, das bis heute in unendlich vielen Auflagen und unter verschiedenen Titeln erschienen ist. Agrippa war Arzt, Advokat, Theologe und Alchemist. Er hat die zahlreichen, verstreuten antiken Quellen ausgewertet und kommentiert. Er hat ganze Kapitel über Räucherungen, ihr Verhalten und ihre Kräfte geschrieben und als erster die Zusammensetzung der den Planeten entsprechenden Räucherungen beschrieben. Die gebräuchlichsten Räucherstoffe mit ihren magischen Planetenzuordnungen nach Auffassung des 20. Jahrhunderts sind:

Planet: Räucherstoffe (der Haupträucherstoff wird zuerst genannt):
Sonne Weihrauch (Olibanum), Sonnenblume, Tagetes, Safran, Rosmarin, Gummi arabicum, Kassia, Lorbeer, Zimt, Akazienblüten, Augentrost, rotes Sandelholz, Aloe, Safran, Nelke, Myrrhe, Lavendel, Thymian, Eisenkraut, Wacholder, Angelika
Mond Myrrhe, Mohn, Kampfer, Patchouli, Narzisse, Madonnenlilie, Jasmin, Winde (Convolvulus), Wermut, Alraune, Aloe, Aloeholz, Schwertlilie, Nieswurz, Ylang-Ylang, Weide, Weißes Sandelholz, Ambra, Ysop, Muskatnuss, Lattich
Merkur Benzoe Sumatra, weißes Sandelholz, Minze, Nelken, Zimt, Eisenkraut, Majoran, Thymian, Myrte, Alraune, Zitronenblätter, Traganth, Muskatblüte, Kamille, Styrax, Lavendel, Anis, Fenchel, Benzoe, Narzisse, Wacholder
Venus weißes Sandelholz, Ambra, Moschus, Verbene, Veilchen, Bergamotteöl, Rosenholz, Benzoe Siam, Elemiharz, rotes Sandelholz, Muskatnuß, Damiana, Rosenblütenblätter, Myrte, Mandelöl oder -harz, Pfefferminze, Nelke, Koriander, Mohn (Opium )
Mars Galbanum, Pinie, Knoblauch, Kreuzkümmel (Cumin), Ingwer, Paprika, Weißdornblüten, Drachenblut, Opopanax, Siam-Benzoe, Geraniumöl, Wermutöl, Chilipfeffer, Pfefferkörner, Raute, Patchouli, Schwefel, Tabak, Aloe, Sadebaum, Fichte
Jupiter Benzoe Siam, Borretsch, Magnolie, Salbei, Flieder, Copal, Zeder; Ysop, Paradieskörner, Iris, Galbanum, Gilead-Balsam, Erdrauch, Fünffingerkraut, Eiche, Lavendel, Safran, Ambra, Balsam, Muskatnuß und -Blüte, Safran, Zimt, Balsam, Nelke, Aloeholz, Mastix, Styrax, Anis, Myrrhe, Stechapfel
Saturn Styrax, Myrrhe, Bilsenkraut, Eibe, Raute, Zypresse, Zibet, Asa foetida, Salomonssiegel, Odermennig, Baldrian, Skammonium, Alaun, Hanf, Nieswurz, Alraune, Opium, Fichte, Sadebaum, Salbei, Nachtschatten, Eisenhut, Tollkirsche, Schierling, Efeu

Natürlich sind Sonne und Mond keine Planeten, und es gibt auch noch mehr echte Planeten, aber diese sieben Himmelskörper sind eben die magischen Planeten nach der mittelalterlichen Kabbala. An sich ist das aufgeführte weiße Sandelholz kein Harz, sondern ein Holz, es wird aber wie Harz verwendet.

"Gewisse, nach den Gestirnen eingerichtete Räucherungen vermögen gleichfalls sehr viel, insofern sie die Luft und den Geist stark erregen, um die himmlischen Gaben unter den Strahlen der Sterne aufzunehmen; denn unser Geist wird von solchen Dünsten am meisten umgewandelt, insofern beide ein gewissermaßen einander ähnlicher Duft sind." schrieb Agrippa.

In der Alchemie ging es keinesfalls um die materielle Verwandlung von Blei in Gold, sondern um die Wandlung des Geistes, um spirituelles Wachstum. Räuchern wurde schon immer als ein alchemistischer Prozess angesehen. Materie wird durch Feuer transformiert und wirkt pharmakologisch und/oder psychologisch auf den Geist ein. Durch das Element Feuer entsteht aus dem Element Erde der Rauch, der sich mit dem Element Luft verbindet und schließlich den "Geist umwandelt". daß die von Agrippa angeführten Räucherrezepte den Geist verwandeln können, ist eindeutig, denn er nennt viele psychoaktive Pflanzen (Alraune, Bilsenkraut, Hanf, Mohn), deren Rauch man inhalieren soll.

Auch heute noch ist in okkultistischen und magischen Zirkeln das Planetenräuchern verbreitet. Dabei greift man auf die römische Zuordnung der Räucherstoffe zu den einzelnen Göttern zurück, die ja schon in der Spätantike mit den Planeten identifiziert wurden, und auf die Schriften der Renaissance und der Okkultisten. Die sogenannten Planetenräucherungen bestehen meist aus den Pflanzen und Ölen, die dem Planeten zugedacht sind und durch die die Planetenenergie magisch beschworen und hilfreich eingesetzt werden kann.


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5.5. Der Weihkräuter- und Rauchkräuterbusch

Besonders in ländlichen Regionen wie Bayern ist der Brauch der Kräuterweihe noch sehr lebendig. Aber auch in den restlichen Teilen Deutschlands lebt dieser Brauch wieder auf. Blumen aus dem Hausgarten, Heilkräuter, Getreide und Früchte werden zu einem bunten Strauß gebunden, auf den Altar gestellt und mit einem Segensgebet geweiht.

Aber die Wurzeln der Kräuterweihe reichen weit zurück in die keltische Zeit, bevor die christliche Missionierung das Brauchtum der weisen Frauen und Schamanen unter ihre Führung stellte. Zuerst wurden mit diesem Kräuterbusch Natur- und Erntedankfeste gefeiert, und es wurde verschiedenen Göttern damit gehuldigt. Um 745 wurde das Sammeln des Kräuterbusches erst verboten, später dann, weil sich das Verbot im Volk nicht durchsetzen konnte, unter den Segen Marias gestellt. Seither erteilt die Kirche den Segenspruch, besprengt die blühenden Kräuter mit Weihwasser und läßt verkünden, der Kräuterbusch stelle die Blumen dar, welche die Jünger im Grabe Marias anstelle des Leichnams vorgefunden haben.

Maria-Himmelfahrt am 15. August ist der Auftakt zur wichtigsten Kräutersammelzeit des Jahres. Heilpflanzen, die während dieser Zeitspanne gesammelt werden, übertreffen alle anderen Kräuter an Kraft (mit Ausnahme der Johanniskräuter, die zur Sommersonnenwende gepflückt werden).

Die geweihten Kräuter sollen gegen alle möglichen Verzauberungen und Krankheiten, aber auch für Eheglück, Kindersegen und vieles mehr helfen. Das ganze Jahr über nahm man auch vom Kräuterbusch, um zu räuchern. Besonders heilkräftig soll er sein, wenn man ihn mit Weihrauch vermischt und im Krankenzimmer damit räuchert.

Es müssen immer sieben Kräuter sein, aber man kennt auch die 9er, 12er, 15 er und 19er Büschel. Es gab auch Büschel mit 77 verschiedenen Kräutern, aber immer mit einer vorgeschriebenen magischen Zahl.

Der 9er Büschel besteht z. B. aus Johanniskraut, Schafgarbe, Baldrian, Arnika, Königskerze (immer in die Mitte binden), Kamille, Wermut, Pfefferminze und Tausendgüldenkraut.

Der 15er Büschel besteht z.B. aus Fünffingerkraut, Glockenblume, Kümmel, Margerite, Eberwurz, Bibernelle, Wermut, Königskerze (immer in die Mitte binden), Pfefferminze, Weinraute, Liebstöckel, Teufelsabbiß (Tormentil), Mooskolben, Bittersüßer Nachtschatten und Johanniskraut.

Diese Kräuter werden zu einem dicken Busch gebunden, in der Kirche oder durch einen heidnischen Priester oder eine Hexe geweiht und mit nach unten hängenden Blüten zum Trocknen aufgehängt (in den alten Bauernstuben wird der Kräuterbusch in den sogenannten Herrgottswinkel gehängt).

Ist der Kräuterbusch schön trocken, zupft man einige Kräuter ab, zerreibt sie und vermischt sie evtl. mit Weihrauch und räuchert alles zusammen. Der Kräuterbusch eignet sich sehr gut zum Räuchern im Winter. Er vermittelt die Kraft vieler Heilpflanzen des Sommers und hilft in der dunklen Jahreszeit, Licht und Wärme zu vermitteln.


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5.6. Die Kunst des Räucherns in Japan

Im Buddhismus, der seinen Ursprung in Indien hat, wo die Schatzkammer der Duftstoffe liegt, verwendet man eine überwältigende Vielfalt an Duftstoffen bei Ritualen. Begleitet von diesen Duftstoffen kam der Buddhismus im 6. Jahrhundert über China und Korea nach Japan. Damit nahm die japanische Duftkultur ihren Anfang.

Zwanzig der typischen Duftstoffe, die damals für Räuchermischungen gebraucht wurden, waren aus Harzen gewonnene Duftstoffe vom "Äußeren" des Baumes (Myrrhe, Weihrauch, Benzoe, Kunroku (Pistacia chinjuk) und Ryu-no (Borneol)), vom "Inneren" des Baumes (Kyara und Jinko (beides Adlerholz)), aus Pflanzenteilen gewonnene Duftstoffe vom Stamm (Bykudan (Sandelholz)), von der Rinde (Keihi (Zimt und Cassia)), aus der Knospe (Cho-ij (Nelke)), aus der Frucht (Dai-uikyo (Sternanis)), aus der Wurzel (Ukon (Gelbwurz bzw. Kurkuma), Kansho (Speiknarde), Seimokko (Saussurea), Sanna (Kamferia-Rhizome)), vom Kraut, also Stengel und Blätter (Kakko (Patchouli) und Reiryo-ko (Foenum graecum)) und schließlich tierische Duftstoffe vom Moschushirsch (Jako (Moschus) oder als Ersatz Moschuskörner), vom Wal (Ryuzen-ko (Ambra) oder als Ersatz Ambra-Akkord) und von Muscheln (Ko-ko (Cuddy-Muschel)).

Sortiert man diese Basisstoffe der japanischen Duftkultur nach Qualitäten und Herkunftsgegenden, erhält man unzählige Variationen. Hieraus werden alle Räuchermischungen, wie Senko (Räucherstäbchen), Neriko (Räucherduftkugeln) und Sho-ko (Räuchertabletten) hergestellt.

Von besonderer Bedeutung sind Kyara und Jinko (beides Adlerholz), die am typischsten das Wesen der japanischen Aromen repräsentieren. Im Gegensatz zu den Harzen, die aus den Bäumen heraussickern, sammeln sich Kyara und Jinko innerhalb der Stämme an. Es handelt sich dabei um den mit den Holzfasern verbundenen Harzbalsam. Der Name Jinko (die Schriftzeichen jin und ko bedeuten sinken und Duft) leitet sich davon ab, daß das Holz selbst leicht ist, der Harz enthaltene Teil jedoch sehr schwer ist und das Holz deshalb im Wasser sinkt.


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5.6.1. Die Takimono-Räucherkultur

In der Heian-Ära (die Blütezeit der höfischen Kultur Japans, 700 bis 1150) begann man, Düfte, die bisher ausschließlich als Rauchopfer dienten, als Kulturgut zu genießen. So entstand das sogenannte Soradaki (Räuchern als gesellschaftliches Vergnügen). Darunter verstand man verschiedene modische Anwendungen und Spiele, etwa das nach der Räucherstoffkomposition benannte "Takimono" (für Gäste den Raum zu beräuchern), das "Utsuriga" (japanisch: anhaltender bleibender Duft; mit selbst erfundenen Duftmischungen Gewänder einzuräuchern) und "Oikazen" (japanisch: Dufttyp; Personen an ihrem Duft zu erraten). In Frauenromanen jener Ära finden sich oft Schilderungen der Dufteindrücke im gesellschaftlichen Umgang.

Takimono war in etwa das gleiche wie das heutige Neriko. Man versuchte, in einer selbst komponierten Räucherduftkugel seine eigene Duftästhetik auszudrücken. Schon in der Geschichte des Prinzen Genji aus dem 11. Jahrhundert findet man eine ausführliche Beschreibung der Herstellungsweise.

Im Laufe der Zeit ist Takimono in sechs Themen eingeteilt worden, unter die man einen persönlichen Untertitel setzte und dementsprechend einen eigenen Duft kreierte. Diese Takimono-Sechser (Mususa no Takimono) heißen Baika, Niyou, Ochiba, Kikka, Kurokata und Jijhu. Die ersten vier Themen beschreiben den genauen Pflanzenduft, die letzten beiden Themen sind abstrakt.

Die Präsentation der geschaffenen Duftmischungen hat sich zum "Takimono awase" entwickelt. Dabei wird nicht nur die Duftmischung beurteilt, die sich meist an den Jahreszeiten orientierte, sondern auch der literarische Hintergrund und der erfundene Name der Mischung.


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5.6.2. Die Kodo-Zeremonie

Mit dem Wechsel von der höfischen Gesellschaft zur Bushi-Gesellschaft (Herrschaft der Krieger) änderte sich auch der Duftgeschmack vom prunkvollen Takimono zum schlichten Kohboku (wertvolles Räucherholz), insbesondere der Jinko-Duft wurde hochgeschätzt. Bei der Kodo-Zeremonie wurde meist Adlerholz in seinen verschiedenen Qualitäten und Sandelholz jeweils ohne Beimischung anderer Räucherstoffe verräuchert. Da der Jinko-Duft sehr zurückhaltend ist und sedierende Wirkung hat, eignete er sich für den unsicheren Zeitgeist. Die Zahl seiner Liebhaber nahm immer mehr zu, und er erfreute sich auch großer Beliebtheit unter den Machthabern. Yoshimasa Ashikaga, der achte Shogun im Muromachi-Shogunat, besaß zahlreiche Räucherhölzer und schwelgte in seinem Palast der Überlieferung zufolge tagelang im "Duftlauschen", dem Kodo.

Mittlerweile wurde es unvermeidlich, die zahlreichen verschiedenen Räucherhölzer zu klassifizieren. Das Einteilen innerhalb der Aquillaria-Gattung (Adlerholzqualitäten) verlangte höchste Feinfühligkeit. Denn woran sollte man sachliche Maßstäbe für eine Klassifikation anlegen? In bezug auf Kyara, den qualitativ hochwertigsten Stoff in dieser Gruppe, gab es zwar einen klaren Unterschied, bei den übrigen Sorten jedoch war es problematisch. Man nahm die Herkunftsländer als Anhaltspunkt, und so wurden die übrigen fünf Sorten in Rakoku, Manaban, Manaka, Sumondara und Sasora eingeteilt. Zusammengefaßt wurden die sechs Räucherhölzer als Rikkoku (sechs Länder) bezeichnet, was ursprünglich Qualität und Herkunft ausdrückte, später aber das Wesen des Duftes beschrieb.

Ein anderer Klassifikationsmaßstab ist der Geschmack des Duftstoffes. Man unterteilt in kan (süß), san (sauer), shin (würzig), qan (salzig) und ku (bitter). Je nachdem, wieviele Geschmacksrichtungen ein Duftstoff enthält oder wie er sich zusammensetzt, wird er klassifiziert. Das nennt man Gomi (fünf Geschmacksrichtungen). Zusammen mit dem oben genannten Rikkoku gilt Rikkoku-Gomi bisher als geltender Maßstab für die Klassifikation der Räucherhölzer.

Aber wie erlauscht man die so fein eingeteilten Düfte? Das Räucherholz wird auf die relativ niedrige Temperatur von 150° C erwärmt, damit brennt nicht die Holzfaser, sondern es kommt nur das Aroma des Harzes hervor. Konkreter gesagt, man füllt Asche in die Räucherschale, steckt die Holzkohle hinein, läßt nur ein kleines Loch offen und legt ein Glimmerplättchen darauf, damit sich der Duft des Räucherholzes optimal entfalten kann. Auf diese Weise wurde die Klassifikation der Räucherhölzer erstellt. Zugleich entstand damit der zeremonielle Kodo-Stil des Duftlauschens oder Dufthörens.


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5.6.3. Das Genji-ko

Als Hauptstil des Duftlauschens gilt das Kumi-ko, wobei man durch die Kombination von zwei oder mehr Aromen irgendein literarisches Thema schildert. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um das Waka, eine japanische Gedichtorm, ferner um eine reale historische Begebenheit, saisonbedingte Naturlyrik, historische Anekdoten oder chinesische Gedichte, und es gab verschiedene Gestaltungsmethoden. Duft zu hören oder einen Duft zu erlauschen bedeutet im Japanischen Duft zu riechen, womit man Duft zu erkennen meint.

Die populärste Form des Kumi-ko ist das sogenannte Genji-ko nach der detaillierten Beschreibung der Zeremonie in der Geschichte des Prinzen Genji. Hierzu nimmt man 25 Beutel Räucherwerk, wovon jeweils fünf gleichen Inhaltes sind. Davon werden wiederum fünf Beutel ausgewählt und deren Inhalt geräuchert.

Die Teilnehmer, die im Gegensatz zum Gastgeber den Inhalt der Beutel nicht kennen, versuchen, die Unterschiede zwischen den fünf Düften zu erlauschen. Beurteilen sie zwei oder mehrere Duftstoffe als gleich, so verbinden sie auf einem Papier senkrechte Linien, die der Reihe nach einen Duftstoff symbolisieren, mit einem Querbalken.

Es ergeben sich dadurch insgesamt 52 Kombinationsmöglichkeiten, und jede läßt sich auf einen Band der Geschichte des Prinzen Genji anwenden. Die Geschichte des Prinzen Genji besteht ursprünglich aus 54 Bänden, also zwei Bänden mehr, als Kombinationsmöglichkeiten vorhanden sind, weswegen der erste Band, den man Kintsubo nennt, und der letzte Band, Umeno likihashi, ausgenommen werden.

Aus den 52 Kombinationsmöglichkeiten wählt man diejenige, die man als richtig erachtet, und mit Pinsel und Tusche bringt man den zum jeweiligen Muster gehörenden Namen des Bandes aus der Geschichte des Prinzen Genji als Kalligraphie zu Papier.


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5.7. Das Kyphi aus dem alten Ägypten

Einige der Räucherstoffe wurden einzeln verbrannt, wie Weihrauch, Myrrhe, Opoponax, Zeder und Wacholder. In Mischungen, die man sehr schätzte, waren die Zutaten so raffiniert miteinander verbunden und aufeinander abgestimmt, daß sie eine ganz neue, zuvor nicht dagewesene Duftrichtung und -wirkung erzielten.

Für die alten Ägypter war Weihrauch von herausragender Bedeutung. Er wurden bei allen Ritualen morgens, mittags und abends geräuchert. Er wurde nicht nur bei den offiziellen religiösen Zeremonien für die Götter verbrannt, sondern auch bei den geheimnisvollen magischen Riten, die in abgeschlossenen Räumen stattfanden. Leider ist die genaue Zusammensetzung der ägyptischen Räucherwerke ebenso wie die botanische Identität ihrer Stammpflanzen weitgehend unbekannt.

Die berühmteste Räuchermischung der altägyptischen Duftlaboratorien war das Kyphi, einer der feinsten Düfte des Orients. Es gibt nur ein paar griechische Quellen, die als wesentliche Räucherstoffe für Kyphi ein kompliziertes Gemisch aus Olibanum, Myrrhe, Libanonzeder und etlichen anderen Zutaten angeben.

Das beste Kyphi im alten Ägypten wurde in speziellen Tempelräumen des Tempels von Edfu, der dem Falkengott Horus geweiht war, unter der Anleitung von Priestern unter ständigen Gebeten hergestellt. Seine Anwendung war im Lande selbst weit verbreitet, und die Mischung wurde auch in die gesamte damals bekannte antike Welt exportiert.

Die Priesterschaft von Edfu hat in ihrem Laboratorium im rückwärtigen Teil des Tempelraumes das Rezept in Hieroglyphen an der Wand festgehalten. Im Papyrus Ebers aus der Zeit von 1700 bis 1600 v.u.Z. sowie in einem Papyrus, der in der Cheopspyramide gefunden wurde, sind weitere Kyphi-Rezepte festgehalten. Wenn man aber heute das Kyphi rekonstruieren will, muß man ein Rezept aus verschiedenen Quellen mit teilweise unklaren und unvollständigen Angaben zusammensetzen.

Im Papyrus Ebers ist folgendes Rezept (leider ohne jede Mengenangabe) aufgeführt, wobei zu bedenken ist, daß nicht alle Identifikationen der Ingredienzien gesichert sind.

altägyptisch: wahrscheinliche Bedeutung:
anti shu trockene Mhyrre (?)
pert shen Wacholderbeeren (Juniperus sp.)
neter sonter Weihrauch (Olibanum?)
kau Zyperngrass (Cyperus sp.)
chet et thesheps Mastixzweige
shebet Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum L.), wahrscheinlich die Samen
nebat nt tahi Kalmus aus Syrien(?)
thekuunu t'emten Rosinen
ken niuben Styraxsaft

Dioskurides, ein Militärarzt unter Kaiser Nero, der offensichtlich von dem ägyptischen Rezept angetan war, gab eine andere Zusammensetzung mit 10 Ingredienzien an. Er schrieb: "Kyphi ist die den Göttern genehmste Räuchermischung, die Priester in Ägypten wenden sie sehr häufig an. Es wird auch den Gegengiften zugemischt und in Tränken den Asthmatikern gegeben."

Es werden mehrere Zubereitungsarten desselben angegeben, eine davon ist die folgende (wobei die Bedeutungen der Maßeinheiten hier von mir nicht wiedergegeben werden können; wahrscheinlich handelt es sich um Münzgewichte):

Menge: Maßeinheit: Originalname: wahrscheinliche Bedeutung:
112 Xestes Cyberngras Zyperngras (Cyperus sp.)
112 Xestes reife Wacholderbeeren Wacholderbeeren (Juniperus sp.)
12 Minen entkernte saftige Rosinen dto.
5 Minen gereinigtes Harz wahrscheinlich Olibanum
1 Mine gewürzhaften Kalmus möglicherweise Calamus aromaticus
1 Mine Aspalathos nicht identifiziert
1 Mine Schoines möglicherweise Mastix
12 Drachmen Mhyrre dto.
9 Xestes alten Wein gereifter Rotwein
2 Minen Honig dto.

"Die Rosinen stoße nach der Entkernung und verarbeite sie mit Wein und Myrrhe und das andere stoße und siebe und mische es dann diesem zu und lasse es einen Tag auf einander einwirken; nachdem du dann den Honig bis zur Leimkonsistenz gekocht hast, mische vorsichtig das geschmolzene Harz zu, darauf das Übrige, nachdem du es sorgfältig gestoßen hast und bewahre es in einem irdenen Gefäß auf." (Dioskurides I, 24)

Der Römer Plutarch hat im 1. Jahrhundert u.Z. ebenfalls eine Anleitung zur Herstellung von Kyphi aufgeschrieben und zählt dafür 16 Ingredienzien auf. Das Rezept soll er von dem ägyptischen Priester Maneton erhalten haben. Plutarch schwärmte von der wohltuenden Wirkung der Kyphiräucherung: "Kyphi kann die Menschen in den Schlaf wiegen, kann angenehme Träume verursachen und die Sorgen des Tages vertreiben. Wer Kyphi am Abend verbrennt, dem werden Ruhe und Frieden sicher geschenkt."

Die begehrtesten Zutaten für edle Räuchermischungen wie Kyphi waren Weihrauch und Myrrhe. Deren Preis war jedoch so hoch, daß vorerst nur der Pharao mit seiner Familie, der Beamtenstand und die reichsten Ägypter sich diese leisen konnten. Ägypten war es durch seine geographische Lage möglich, aus Arabien, dem Vorderen Orient und aus Asien eine Vielfalt an Räucherpflanzen zu importieren. Immer mehr Räucherwaren konnten aus Indien importiert werden, denn die Seefahrer der Pharaonen hatten gelernt, den Monsun geschickt zu nutzen. Bei warmen Wetter wurden die Schiffe Indien entegegengetrieben. Kalte Winde bliesen die mit kostbaren Waren beladenen Handelsschiffe wieder zurück Richtung Ägypten.

Die folgende Liste zählt die am meisten benutzten Räucherwaren auf, die in den Laboratorien für Rezepturen benutzt wurden, die in Tempeln, zu Ritualen und im Haushalt verbrannt wurden: Weihrauch, Myrrhe, Opoponax, Balsam, Labdanum, Benzoe, Zimt, Mastix, Zeder, Wacholder, Thuja, Galbanum, Styrax, Kalmus, Zyperngras, Henna, Narde, Adlerholz, Koriander, Kiefernharz, Bockshornkleesamen, Daturasamen, Quat und Bilsenkraut.

Die heute im Handel befindlichen Mischungen, die Kyphi genannt werden, sind meist Variationen der wenigen antiken Angaben, haben aber sicherlich kaum etwas mit dem Original zu tun. Wenn man die Aufzeichnungen vergleicht, kann man davon ausgehen, daß im Kyphi auf alle Fälle folgende Zutaten enthalten waren: Weihrauch, Myrrhe, Zimt, Sandelholz, Zyperngras, Wacholder, Kalmus, Koriander, Mastix, Styrax, Rosinen und Wein. Neuesten archäologischen Funden zufolge soll auch Cannabis mitverarbeitet worden sein, was die aphrodisierende und schlaffördernde Wirkung erklären würde. Die Herstellung des Kyphi erstreckte sich über Monate und wurde von Riten und Gebeten begleitet.

Ein Rezept, welches auf den verschiedenen historischen Quellen im Vergleich basiert und dem echten altägyptischen Kyphi vermutlich sehr nahe kommt, wird im Folgenden wiedergegeben. Es werden benötigt:

Menge: Zutat:
4 Teelöffel Weihrauch (Olibanum Aden oder Olibanum Somalia)
1 Teelöffel Benzoe Siam
1 Teelöffel Myrrhe
2 Teelöffel Mastix
½ Teelöffel Styrax
½ Teelöffel Wacholderbeeren (getrocknet)
¼ Teelöffel Kalmus (Wurzelpulver)
¼ Teelöffel Galgant (Wurzelpulver vom Großen Galgant, Alpinia galanga, auch Siam-Ingwer genannt)
¼ Teelöffel Kardamom
¼ Teelöffel Koriander
1 Teelöffel Zimtrinde oder Zimtblüte (Cassia)
1 Teelöffel Lemongras
½ Teelöffel Rosenblätter (bzw. getrocknete Dufrosenknospen)
1½ Teelöffel Weißes Sandelholz
messerspitzenweise Adlerholz (je nach Menge)
½ Teelöffel Waldhonig (flüssig)
eßlöffelweise Rotwein (schwer, süß und gehaltvoll)
8 Teelöffel Sultaninen oder entkernte Rosinen (ungeschwefelt)

Die Sultaninen oder entkernten Rosinen werden traditionell zum Vollmond im Rotwein eingelegt, z.B. in einem Schraubglas verschlossen und bis zum nächsten Vollmond darin gelassen. Ungeduldige müssen es nicht so machen, sollten die Trockenfrüchte aber mindestens 24 Stunden im Wein ziehen lassen.

Alle Harze (Weihrauch, Benzoe Siam, Mastix, Myrrhe und Styrax) werden im Mörser zerrieben. Zimtblüte, Wacholderbeeren, Kalmus, Galgant, Kardamom (mit Schale), Koriander und Sandelholz werden, sofern sie nicht schon in Pulverform vorliegen, im Mörser einzeln pulverisiert. Alle Pulver werden mit dem Harzpulver vermischt. Die Rosenknospen oder -blätter werden zerpflückt, das Lemongras fein geschnitten und gut unter das Pulver gemischt. Auf eine normale Tasse dieser Mischung kann man einen halben Teelöffel pulverisiertes Adlerholz geben (falls nicht vorhanden, kann es auch weggelassen werden). Wenn man nicht alle Zutaten bekommen kann, kann man die fehlenden auch weglassen oder durch Kardamom oder Galbanum ersetzen.

Die Sultaninen oder Rosinen werden aus dem Wein genommen und im Mörser, Mixer oder Fleischwolf zu Brei verarbeitet (der Restwein kommt nicht in die Mischung). Zu dem Brei wird der Honig untergemischt. Die pulverisierte Mischung wird zugegeben und alles gut verknetet. Sollte sie zu flüssig sein, kann man sie mit etwas pulverisiertem weißen Sandelholz verfestigen. Die teigähnliche Masse wird zwischen den Handflächen zerrieben und bröselig verarbeitet. Auf einem Sieb oder Tuch ausgebreitet läßt man die Brösel an einem warmen Ort trocknen. Nicht in den Backofen oder direkt in die Sonne stellen. Öfter wenden, und nach sieben bis vierzehn Tagen, je nach Wärme und Witterung, ist das Kyphi trocken und zum Räuchern fertig. In kleinen Mengen auf Räucherkohlen verglühen lassen.

Im alten Ägypten formte man aus der Kyphi-Masse etwa erbsengroße Kugeln, die in Tempeln verräuchert wurden. Der wohltuende Duft begleitet sanft und entspannt in die Nacht, vertreibt die Sorgen des Tages und ist gut für eine traditionelle Abendräucherung geeignet. Man stellte auch Pillen aus Kyphi her, die man zur Parfümierung der Vagina und zur Mundhygiene nutzte.





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